Veronika beschließt zu sterben

Discussion in 'German' started by Anjee, Oct 5, 2004.

  1. Anjee

    Anjee Member

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    Ich lese gerade das Buch "Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho. Ganz kurz zum Inhalt:

    "Veronika hat ihren Traum, Pianistin zu werden, dem ereignislosen Alltagsleben geopfert - ohne Herausforderung, ohne Risiko, ohne Passion. Eines Morgens beschließt sie, diesem Leben ein Ende zu machen. Doch die Überdosis Schlaftabletten befördert sie nicht, wie erhofft, in den Tod, sondern in eine Irrenanstalt" (Klappentext)

    Dort greift der sie behandelnde Arzt zu einer List: er eröffnet ihr, sie hätte nur noch eine Woche zu leben...

    Wie seht Ihr das? Lebt Ihr total? Im Augenblick? Voller "Passion"? Oder herrscht in Eurem Alltag Routine und Ihr lebt vor Euch hin? Und was wäre, wenn Ihr nur noch eine Woche zu leben hättet??

    Ich dachte, das passt irgendwie zu unserem "Nahtod- und Sterbe-Thread..."

    Ich bin riesig gespannt!!
    Anjee
     
  2. Flowerian

    Flowerian Senior Member

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    Ach, ich lebe so vor mich hin... hab im Moment wenig zu tun ;)
     
  3. Heaven

    Heaven Senior Member

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    Von Paulo Coelho will ich noch: elf Minuten und der Alchimist lesen!

    Mein Leben im Moment lebe ich notgedrungen vernünftig (obwohl ich nie ein Mensch der Extreme war). Es bleibt mir auch nichts anderes übrig, da die Chance mein Leben so zu leben, wie ich es gerne leben würde, relativ gering ist. Das wäre dann wohl in einem skandinavischem Land, am Meer in einem großen Gutshof mit meiner Familie (die ich dann hätte) und anderen Familien (als große WG sozusagen). Dort würde ich gerne eine eigene kleine Jenaplanschule aufmachen (Reformschule), viele interessante Menschen kennenlernen wollen und reisen.

    Naja, da dem aber nicht so ist leb ich so dahin und warte auf Sensationen, die nicht eintreten. Obwohl ich sehr ehrgeizig bin und weiß, was ich will, wäre ich auch für Spontantaten zu haben. Z.B. würde ich ohne mit der Wimper zu zucken von heute auf morgen in eine WG ziehen, wenn ich nette Leute dazu hätte. Oder die Stadt wechseln...
    Für solche Taten brauch ich meistens einen Tritt in den Hintern von den richtigen Leuten.
    Leider schaut es i.M. so aus, dass aus meinem Freundeskreis so langsam aber sicher alle in festen Händen sind, heiraten, Kinder kriegen usw.
    Ich schussel mit meinen 25 Jahren immer noch rum... was ich nicht beklagen will. "drum prüfet, was sich ewig bindet" (was meine Oma immer sagt, *wink* an jmd. hier)

    Wenn ich noch eine Woche zu leben hätte würde ich alle Menschen, die mir wichtig sind ganz ganz nah bei mir haben wollen um keine Sekunde mit ihnen zu verlieren. Ich würde ihnen sagen, wie lieb ich sie hab - was ich sonst viel zu wenig tu!
    Dann würde ich versuchen durch Exerzitien und einem Gespräch mit einem Geistlichen mir über meinen Glauben ins Klare zu kommen.
    Wahrscheinlich würde ich mit ein, zwei Menschen ein Gespräch führen bei dem ich ihnen etwas sagen würde, was ich unter normalen Umständen nie tun würde - aber in dem Fall hätte ich ja nichts mehr zu verlieren.

    Wenn ich etwas länger Zeit hätte, würde ich mein Buch zu Ende schreiben, das ich mit 17 Jahren geschrieben habe.
    Außerdem würde ich mir meinen großen Traum erfüllen: einmal mit Blumen im Haar durch Haight Ashbury laufen und in meinem VW Bus (den ich dann besitze ;) über die im Nebel liegende Golden Gate Bridge zu fahren.

    Das klingt jetzt zwar ziemlich kitschig - aber genau das würde ich tun!
     
  4. ~grof~

    ~grof~ Member

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    Ich würde wahrscheinlich auch zusehen, daß ich mich öfters mit Freunden und Verwandten treffe ... meine Arbeit an der Uni würde ich dafür dann sein lassen ... vielleicht würde ich nochmal psychedelische Substanzen konsumieren wollen ;)

    Im Augenblick zu leben wäre toll, Übung macht den Meister :D
     
  5. Kastenfrosch

    Kastenfrosch Blaubeerkuchen!! Lifetime Supporter

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    ich glaube es ist schwer wirklihc nur für den augenblick zu leben, die frage ist ja auch ob das wirklich so sinnvoll ist, vorallem weil man da ja auch mehrere sachen darunter verstehen kann.


    Ich denke eine gute weise, nur für den augenblick zu leben wäre, jeden augenblick bewusst zu leben, die stimmung bewusst wahrzunehmen, und das beste aus diesem Moment für sich raus zu holen.

    Ich selber lebe glaube ich viel zu oft in der erwartung auf das was morgen kommt, und verpasse so glaube ich einiges in der gegenwart*ggg*.


    WEnn ihcnur noch eine Woche zu leben hätte? Ich glaube ich würde mich von meiner familie und meinen Fraunden verabschieden, ihnen details zu meinem begräbnis sagen, und mir dann ein flugticket entweder nach neuseeland kaufen, um meine mir noch unbekannte großcousine zu besuchen, oder in die USA, um alte freunde wieder zu sehen.
     
  6. ~Aglaja~

    ~Aglaja~ Member

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    "Veronika beschließt zu sterben" ist ein wundervolles Buch. Aber auch "Der Alchemist" und "Elf Minuten" sind etwas ganz Besonderes. Ich habe "Elf Minuten" anfang diesen Jahres gelesen, in einer Zeit, in der es mir nicht so gut ging... und es hat mir Kraft geschenkt... weil es einige Zitate in diesem Buch gibt, die mir so sehr aus der Seele sprachen.

    Wie lebe ich?
    Es gibt Augenblicke, die ich total und voller Leidenschaft lebe und seit einiger Zeit sind diese Augenblicke sehr häufig. Wenn ich trommel oder Musik höre oder auf einem Konzert oder bei einer Session bin... dann bin ich voll und ganz im Augenblick. Wenn ich liebe bin ich voll und ganz im Augenblick. Kein Gestern und kein Morgen. Ich bin mit meinem ganzen Herzen dabei. Ich BIN dann.

    Ich habe aufgehört zu viel über alles nachzudenken. Eigentlich war ich nie die große Denkerin, habe immer aus meinen Gefühlen heraus gelebt und gehandelt(sonst wäre ich nicht hier in Wien) und dennoch: Das Denken verkompliziert die Dinge meistens und macht uns (zumindest mir) etwas vor. Und oft hab ich gemerkt, dass wenn ich rational handel und nicht auf mein Herz höre, ich total unglücklich bin.

    Ich habe gelernt, Vergangenes loszulassen oder anders zu betrachten und nicht mehr zu fragen, was die Zukunft wohl bringen wird. Vergangenes ist vergangen und ich kann es nicht mehr ändern und die Zukunft kommt sowieso - unabhängig davon, ob ich über sie nachdenke oder nicht. Und oftmals malte ich mir die schönsten Zukunftsträume aus und .... puff..... zerplatzen sie wie eine Seifenblase.

    Ja! Ich behaupte: Ich lebe total. Und ich lebe nicht nur so vor mich hin. Jeder Tag ist neu und ich versuche ihm ganz offenherzig zu begegnen.... weil an jedem neuen Tag alles passieren kann.

    Mein Herz ist bei so vielen Dingen vollkommen dabei und wenn ich mich einer Sache mit ganzem Herzen hingebe, dann lebe und erlebe ich den Augenblick in seiner ganzen Schönheit und Vollkommenheit. Ich nehme wahr mit all meinen Sinnen und ich liebe und dann lass ich los... denn festhalten kann ich gar nichts... so sehr ich mir das in der Vergangenheit auch immer gewünscht habe. Es geht nicht.

    Habt Ihr niemals bemerkt, dass, wenn Ihr Euch einer bestimmten Sache vollkommen hingebt, die Erinnerungen an diese Momente total schwach sind? Hmmm... ich weiß auch nicht. Es idt schwierig zu beschreiben. Aber in dieser Hingabe liegt ein kleines Stück Freiheit und sie schenkt mir Vertrauen... Vertrauen ins Leben und darin, dass alles gut wird.

    Was wäre, wenn ich nur noch eine Woche zu leben hätte?
    Wenn ich ehrlich bin, würde ich genauso weiterleben wie bisher... denn ich bin glücklich und alles ist schön. Ich liebe und lebe und alles ist neu - von Tag zu Tag. Und es sind Menschen um mich herum, die mir wichtig sind und die ich um nichts in der Welt missen möchte. Und diese Menschen wissen, was ich für sie empfinde.

    Ich würde vielleicht noch ein paar Tage mit meinen Eltern verbringen, wenn ich wüßte, dass ich sterben müsste, und ihnen sagen, dass ich sie ganz doll lieb hab. Und ich würde allen Menschen, die mir bisher auf eine ganz besondere Weise begegneten, Danke sagen. Danke für die wundervollen Augenblicke mit Euch.




    Love always
    Maike
     
  7. Anjee

    Anjee Member

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    *räusper* Ich hab ja noch gar nicht selber geantwortet...
    Ich kenne nur ganz wenige Menschen, von denen ich guten Gewissens sagen kann, dass sie "total" leben, im Augenblick. In meinem eigenen Leben folgt einer bewussten Minute meist eine unbewusste, aber die gelebten, gefühlten Augeblicke werden länger. Ich nehme mir auch immer wieder Zeit für "Bewusstheit"; im Tai Chi zB oder beim Meditieren. Und auch wenn der Geist dann wieder abschweift, nehme ich das "immerhin" war, Alltagstrott stellt sich aber nurzugerne desöfteren ein, vor allem, wenn eine Niederlage die andere jagt und mir nichts so recht gelingen will. In anderen Phasen, wenn alles blüht und das Glück auf meiner Seite ist, lebe ich auch im Augenblick und bin "voll da".

    Wenn ich nur noch eine Woche zu leben hätte, würde ich nach Karlsruhe in meine ehemalige Tai Chi Schule fahren, den Ort, an dem ich sozusagen erwachsen geworden bin und dem ich gerade erst den Rücken gekehrt habe. (Für eine Zeit.) Dort würde ich meine letzten Tage verbringen, auch mit meiner Familie, die dort ganz in der Nähe ist und mit einigen sehr guten Freunden.


    Danke jedenfalls für eure Antworten!! :)
     
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