Irgendwie hatte ich auch schon drüber nachgedacht, hier was zu posten, damit mal wieder was passiert. Sophie und andere waren schneller, aber nachdem ich nunmal eine Idee hatte, warum sollte ich sie jetzt wegwerfen? Ich wollte mich erkundigen, ob jemand von Euch im Kino war und "Der Untergang" gesehen hat und wenn ja, wie er/sie den Film fand. Nachdem er letzte Woche einen Bambi bekommen hat, ich beinahe zeitgleich eine negative Kritik gelesen habe, wollte ich mir selbst ein Bild machen und war am Sonntag drin. Jetzt würde ich ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen, ihn anzusehen.
Ist mir zu banal, ich werde warten, bis der Film mal im Fernsehen kommt. Ich brauch keinen Bruno Ganz oder Bernd Eichinger, die mir Theater vorspielen, um das Grauen, das damals ablief zu illustrieren. Zumal Eichinger selbst zugibt, das wenige, was wirklich an Fakten über die 12 Tage im Bunker überliefert ist, mit erfundenen Szenen aufgefüllt zu haben. Naja, sowie es ausschaut, hat er die 13,5 Millionen Euros für diesen FIlm nicht in den Sand gesetzt, Hitler sells ever. Was der Film hat sicher nicht vermittelt, ist, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass am Ende 60 Millionen Menschen ihr Leben verloren hatten, dazu muss man lang vor 1933, als die Nazis an die Macht kamen, ansetzen (Ich gebs zu, ich war zu faul und hab gegoogelt): Welche Ideologie steht hinter dem radikalen, zerstörerischen und menschenverachtenden Szenario im Führerbunker? Eine der Wurzeln der nationalsozialistischen Ideologie bildet die konservative Revolution. Vor dem Ersten Weltkrieg und danach in der Weimarer Republik entwickelten die konservativen Revolutionäre ihre destruktiven Ideen. Der Begriff der „Konservativen Revolution“1 ist schon an sich widersprüchlich. Die Bedeutung für „konservativ“ im herkömmlichen Sinne trifft hier nicht, denn die Tradition wird gerade abgelehnt. Insofern sie aber auch die Moderne ablehnen, sind sie doch konservativ. Revolutionäre sind sie nicht in dem Sinne, dass sie eine bestimmte Ideologie durchsetzen wollen, sondern in dem sie etwas Neues wollen, das aber nur durch die Zerstörung des Alten. Bekannte Vertreter dieser Bewegung waren Personen wie Oswald Spengler, Thomas Mann, Carl Schmitt und Ernst Jünger. Gruppen wie die Völkischen, die Jungkonservativen, die Nationalrevolutionäre und die Bündischen gehören dazu. Friedrich Nietzsche (1844-1900) ist einer der geistigen Väter dieser Bewegung. Er beschäftigte sich sehr intensiv mit dem Begriff des Nihilismus. Der traditionelle Nihilismus wird vom Christentum als Wertezerfall und Verlust des Lebenssinns gedeutet. Nietzsche dreht diese Bedeutung um. Er sieht den Zerfall der christlichen Kultur als positive Entwicklung an. Interessant ist nun, dass Nietzsche den Angriff auf das Christentum seit der Neuzeit als noch nicht genügend ansieht, denn die Kultur der säkularisierten Gesellschaft, in fortgeschrittener Form des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, stellt lediglich eine Abwandlung der christlichen, kirchlichen und theologischen Weltauslegung dar. Der Kultur der bürgerlichen Gesellschaft in der Weimarer Republik, die auf den Werten der Demokratie, der Menschenrechte, des Völkerrechts, dem Universalismus und dem Wohlstand für alle basiert, liegen christliche Wertvorstellungen zugrunde. Sie wurden säkularisiert, d.h. ihres transzendenten Wertes beraubt und lediglich immanent ausgelegt. Der christliche Moralbegriff ist noch tragend für die bürgerliche Gesellschaft. Für Nietzsche traten anstelle der Autorität Gottes oder der Kirche die Autorität der Vernunft und das "Glück der Meisten". Der unvollständige Nihilismus, d.h. nur den Zerfall der christlichen Werte zu beobachten, ist ihm zu wenig. Nietzsche forderte den aktiven Nihilismus. Es geht darum, „nicht nur den Untergang des Abendlandes zu verbreiten, sondern um eine völlige Umkehr und einen durch keine Halbheiten belastenden Neubeginn einzuleiten.“2 Damit etwas total Neues, d.h. das genaue Gegenteil der christlichen Kultur, entstehen kann, wird mit ganzer Kraft die Zerstörung der jetzigen, christlichen oder säkularisierten Kultur, gefordert. Ernst Jünger arbeitete eine spezielle Kriegsideologie aus. Für ihn ist nicht der Sieg das Ziel des Krieges, um die Macht- und Herrschaftsansprüche auszudehnen, sondern die Vernichtung, um wie ein Phoenix aus der Asche ein neues Imperium zu gründen. In Hinsicht auf ein heraufziehendes Imperium ist „jeder Untergang als gewollt, als Vorbereitung“3 anzusehen. Dieser Untergang hat auch etwas damit zu tun, wie der Krieg geführt wird: „Die Kriegsschuld des Bürgers beruht darin, dass er weder fähig war, den Krieg wirklich, das heisst im Sinne einer totalen Mobilmachung zu führen, noch ihn zu verlieren - also seine höchste Freiheit im Untergange zu sehen.“4 Der wirkliche Krieg wird damit charakterisiert, dass er die totale Mobilmachung und die Fähigkeit, ihn auch zu verlieren zu können, erfordert. Am Grunde dieser Untergangsvariante liegt der aktive Nihilismus, der zuvor die radikale Zerstörung fordert, bevor etwas Neues aufgebaut werden kann. Die konservative Revolution entwickelte eine eigene Todesphilosophie. Max Weber schrieb: „Der Krieg als die realisierte Gewaltandrohung schafft, gerade in den modernen politischen Gemeinschaften, ein Pathos und ein Gemeinschaftsgefühl und löst dabei eine Hingabe und bedingungslose Opfergemeinschaft der Kämpfenden [aus; v.V.] Und darüber hinaus leistet der Krieg dem Krieger selbst etwas, seiner konkreten Sinnhaftigkeit nach, Einzigartiges: in der Empfindung eines Sinnes und einer Weihe des Todes, die nur ihm eigen ist.“5 Der Tod in der Gesellschaft unterscheide sich von dem „Tod im Felde dadurch, dass hier und in dieser Massenhaftigkeit nur hier, der Einzelne zu wissen glauben kann: dass er für etwas stirbt.“6 In diesen Texten wird die Gemeinschaft, der Tod und das Opfer in eine enge Beziehung gebracht, die ein explosives ideologisches Gemisch darstellt. In Ernst Jüngers Werk wird das Thema der „Nähe des Todes“ radikalisiert und in unendlichen Variationen wiederholt. „Die Feuertaufe wurde zu einem wirklichen Fest, zu einem Rauschmittel. Es gibt keinen Zweifel: das Leben wird intensiver, reicher, funkelnder gerade dort, wo der Tod wütet.“7 Der Tod wird als ekstatisches Erlebnis, als heiliger Ritus und Rausch empfunden! Erst mit dem Wissen um solche kaum fassenbaren Aussagen, wird das Szenario im Führerbunker in der ganzen Tragweite seiner Bedeutung interpretierbar und verstehbar. Eugen Schmid [size=-1]1 Eugen Schmid, Heideggers Engagement für den Nationalsozialismus. Die Entwicklung seines theoretischen Denkens im Rahmen der konservativen Revolution und seine praktische Auswirkung im Rektorat 1933-34, Freiburg, 2000, unveröffentlicht. Domenico Losurdo, Die Gemeinschaft, der Tod und das Abendland. Heidegger und die Kriegsideologie, Stuttgart 1995[/size] 2 Martin Heidegger, Nietzsche: Der europäische Nihilismus, Frankfurt 1986, S. 100-101 3 Ernst Jünger, Der Arbeiter (1932), in: ders., Werke, Bd. 6, Essays II (hg. von H. Kruzke), Stuttgart 1978, S. 85 4 ebd., S. 45 5 Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie (1920), Tübingen 1927, S. 548; vgl. Losurdo, S. 18 6 ebd. 7 Ernst Jünger, Feuer und Blut (1925), in: ders., Werke, Bd. 1, Stuttgart 1978, S. 444; vgl. Losurdo, S. 19 QUELLE Was in meinen Augen viel wichtiger wäre, als den menschlichen Hitler bei seinem Untergang zu zeigen, wäre, endlich mal im grossen Rahmen die Kontinuität aufzuzeigen, die es ermöglichte, dass im Zuge des kalten Krieges Nazis rehabilitiert wurden und massgeblich am Aufbau der BRD (West) beteiligt waren, z.B. ein Hans Globke, unter den Nazis Herausgeber des Kommentars zu den Nürnberger Rassegesetzen, in der BRD Amtsleiter des Bundeskanzleramtes unter Adenauer und Mitverfasser des Grundgesetzes. DIe vielen Nazirichter, Nazibeamte, Nazilehrer, die in der BRD dann wieder zu Amt und Würden kamen, wie Peggy Parnass in ihren Büchern und Filmen dokumentiert. Interessant auch die Werke zu dieser Thematik von Bernt Engelmann, seinerzeit von Franz Josef Strauss wegen seiner Enthüllung alter Nazi-Seilschaften als Schmeissfliege und Ratte bezeichnet.
Was Du schreibst, klingt ziemlich interessant, auch wenn ich gestehen muss, dass ich es jetzt gerade als eher schwere Kost empfinde. Sicher vermittelt der Film nicht, was dazu geführt hat, wie Hitler und Co an die Macht kamen, welche Hintergründe es da gab. ABER: Gerade für die Generationen, die keinen Krieg erlebt haben, und insbesondere nicht diesen, kann der Film zumindest eine Möglichkeit sein, den grauenhaften Folgen der Naziherrschaft etwas näher zu kommen. Z.B. sprechen Hitler und Gefolge durch die Schauspieler selbst aus, wie sie zur Welt standen: Dass das Volk selbst schuld sei, die Zivilisten daher nicht geschont werden müssten usw. Die Menschenverachtung der Nazis wird sehr deutlich, gerade im Gegensatz zwischen Leid und Elend außerhalb des Führerbunkers und den Parties und Gelagen der Elite, die bis zum Schluss reichlich isst und vor allem trinkt. Das alles könnte seinen Teil dazu beitragen, dass Hitler - trotz dem menschlichen Seite, die gezeigt wird, ohne dass er dabei verklärt wird - nicht im Laufe der Zeit verharmlost und beschönigt wird, z.B. von irgendwelchen rechten Zeitgenossen. Insbesondere sein Abgang sollte zeigen, dass er nicht der große Held war, von den seine Anhänger ihn vielleicht noch heute halten. Was damit sicher nicht ausgedrückt wird, ist die Geschichte, die nach 1945 folgte - und auch nicht das Problem, dass genügend Nationalsozialisten auch danach weiter in wichtigen Positionen sitzen konnten. Aber ich glaube, das ist ein anderes Thema. Ich finde es aber vermessen, einem Film über Hitler dies alles abzuverlangen. Zumal - wie Du sagtest - Du ihn bis jetzt nicht gesehen hast. Aber vielleicht war ja jemand anderes schon drin und möchte sich hier auch beteiligen?
Ich war mit der Schule drin und muss sagen dass auch ich extrem beeindruckt war. Es geht bei dem Film sicherlich nicht um Doku-artiges vermitteln von 100% exaktem Wissen und auch nicht um die Problematik der Schuld des Volkes, sondern einfach darum, die schreckliche Atmosphäre der letzten Tage einzufangen und den späteren Generationen, die das Glück haben, nicht dabeigewesen zu sein, eben einen eindruck dieses Grauens zu geben.
Genau das ist der Punkt, an dem ich meine Zweifel habe. Das, was Dir da gezeigt wird, hat mit der Wirklichkeit überhaupt nichts zu tun, wie gesagt, der Film ist zu grossen Teilen pure Fiktion, nicht das, was wirklich passierte, sondern das, was der Eichinger sich ausdachte, wie es gewesen sein könnte. Der Constantin Filmgesellschaft bzw, ihrem Boss Eichinger geht es hauptsächlich darum, ihren aufwendigen Lebensstil zu finanzieren, dass der Euro rollt und sie nutzen lediglich einen Trend aus, dass die Leute sich mehr und mehr lieber gegen Abgabe von ein paar Euros an der Kasse passiv zudröhnen lassen und hinterher glauben, sie hätten jetzt was über Geschichte gelernt. Das beziehe ich jetzt nicht nur auf den Untergang, auch der Erfolg von den ganzen angeblich historischen Machwerken, wie Troja, das Leben von Jesus usw. zeigen, dass der Zug mehr und mehr in diese Richtung abfährt. Für die Filmemacher ist es herrlich einfach, ein paar tausend Jahre mehr oder wenig belegte Geschichte bieten da auf Jahrzehnte hinaus jede Menge Stoff, den man nach und nach auf diese fastfood-artige Weise verwursteln kann. Heute ziehen wir uns mal den Untergang rein, nächste Woche Troja, nicht, weil wir wirklich an historischen Fakten interessiert sind, sondern weil alle gerade davon reden und ein Gruppenzwang besteht, um mitreden zu können, reingegangen zu sein, wir zeigen da, wo es um Nazis oder sonstige Grausamkeiten geht, angemessene Betroffenheit und ein paar Tage später ist alles abgehackt und wir wenden unsere Aufmerksamkeit wieder neuen Dingen zu, die jetzt mehr angesagt sind. Wenn Du meinst, um zurück zum Topic zu kommen, den grauenhaften Folgen der Naziherrschaft etwas näher kommen zu können, dann krieg den Arsch hoch, geh in die Bücherei Deines Vertrauens und les mal wieder. Peggy Parnass und Bernt Engelmann habe ich ja bereits empfohlen, die eine als Jüdin betroffen, die Familienmitglieder im KZ verloren hat, der andere als Widerstandskämpfer unmittelbarer Augenzeuge, dann gibt es die Erinnerungen von Albert Speer, dem Reichsbaumeister, zwar sehr subjektiv und seine Person reinwaschend (Keinerlei Erwähnung von Zwangsarbeitern und KZ-Greuel), er war aber fast ständig mit Hitler zusammen und dürfte auch eine der Quellen sein, derer sich Eichinger für sein Füllmaterial bediente. Dann gibt es da noch die Protokolle der Nürberger Naziprozesse, wo viel davon die Rede ist, man habe ja nur seine Pflicht als Soldat, Beamter usw. dem Vaterland gegenüber getan. Empfehlenswert auch Lew Kopelew, der als Soldat der roten Armee dabei war, als Berlin erobert wurde. Interessant auch das hier, ich bezweifle, ob das im Film vorkommt: [size=+1]Nazis on Speed - Drogen im 3. Reich[/size] Werner Pieper, Hg. ISBN 3-930442-53-1 352 Seiten, 20 EURO 1945 gab es in der deutschen Geschichte einen heftigen Einschnitt, jedoch nicht in der deutschen Drogenpolitik: Gesetze, sowie die negative Drogenterminologie ('Rauschgift' statt 'Genußmittel') wurden von den Nachkriegsdemokraten direkt von den Nazis übernommen und weitgehend bis heute beibehalten. Wir mögen mit der Vergangenheit abgeschlossen haben, aber die Vergangenheit noch lange nicht mit uns. - Warum verhindert das Erbe der Drogenverteufelung durch die Nazis noch heute die EntKriminalisierung von Konsumenten 'illegaler' psychoaktiver Substanzen? - Wie kam es, daß fast alle psychoaktiven Pulverdrogen in Deutschland entwickelt wurden & die deutsche Industrie auch an der Herstellung 'illegaler' Drogen weltweit mitverdient(e)? - Womit und wie (il-)legal berauschten sich die Menschen vor und nach 1933 und welche Auswirkungen hatte das auf den durchrassten Volkskörper? Mit welchen Drogen pumpte 'Reichspritzenmeister' Dr. Morell die Venen des Führers so voll? Bekäme dieser heute noch einen Führerschein? - Was ist dran an den bestialischen Drogenexperimenten an Häftlingen in KZs? Warum und wie hat der CIA diese Versuche später in den USA fortgesetzt? - Was hatte Großvater Bush mit Hitler zu tun? - Welche Auswirkungen hatte das Pervitin-Doping auf die Soldaten der Front und welche Rolle spielte es bei Sondereinsätzen? Diese und noch ganz andere Fragen werden in Beiträgen von zwei Kriminologen, je einem Drogenberater, Soziologen, Ex-Dealer, Privatforscher, Bundestrainer, Comic-Zeichner, Wissenschafts-Journalist, Kabarettisten, Marine-Mediziner, Pharmazeuten, US-Germanist, sowie Abhandlungen von E.E. Kisch, H. Fallada, K. Mann und diversen Nazis aufgearbeitet.
ich hab den film auch gesehen und konnte nachts promt nicht schlafen die dargestellte klatschnäuzigkeit, die grausamkeit in der vorgehensweise und die unglaubliche skrupellosigkeit, mit der aus dem vermeintlich sicheren bunker gehandelt wird (und diese handlungen, die dort im vordergrund stehen, sind kriegspolitische und belegt), die nähe zu hitler und seine gleichzeitige distanz zur realität und der zivilen welt sind, ich sag es unumwunden, filmisch ziemlich gut umgesetzt. ich sage ja nicht, dass alles super war, und ob es nun zum abendessen eintopf oder chateau brion gab ist eigentlich auch ziemlich wurscht, ziel des filmes war ein anderes, und das ist exzellent umgesetzt worden. vieles wird im film nicht erwähnt, der kontext fehlt, aber ich denke, er fehlt bewusst. ohne vorwissen über den holocaust bzw. das dritte reicht findet man hitler am ende noch sympatisch. ich würde den untergang auch nicht mit troja, gladiator oder ähnlichem in einen topf werfen. nazis on speed. hab ich mehrfach gelesen. die quellen sind fraglich, sicherlich auch beabsichtigt im dunkeln gehalten. nicht gegenstand des films, ganz einfach. ein anderes thema. was soll ich noch sagen? amphitaminspritzen für amerikanische kampfjetpiloten? und was so an antidepressiva in der astronautennahrung drinnen ist... öhem, keine ahnung, ich möchte es gar nicht wissen. so, ich schick jetzt einfach mal ab, ist etwas unstrukturiert, aber ich bin heute so hirnlahm...
[grummel - so ein Mist - hab mir beim Tippen irgendwie meine Antwort gelöscht. :$ Also nochmal:] @Heaven: Hab ich geguckt eh. Voll konkreeet eh! @Southerman: Hmmmmmmmmmm. Irgendwie kann ich Deinen Einwand auf ner sachlichen Ebene nachvollziehen. Aber selbst wenn das alles aus historischer Sicht nicht so ganz astrein ist, würde ich es nicht so hart kritisieren. Als bloßes Geldscheffel-Projekt kommt es bei mir nicht an. Ich sehe darin auch eine Chance, zusätzliche Eindrücke zu vermitteln, die man sich mit keinem Buch und aktiver Recherche so beschaffen kann - höchstens mit krassen biographischen Schilderungen. Aber das ist nicht das, was in jedermann/-frau in seinem Leben tun wird. So kann man aber auch Menschen ansprechen und erreichen, die für die von Dir vorgeschlagene Form der Informationsbeschaffung nicht offen sind. Gerade in Zeiten, in denen die Medien so einflussreich geworden sind, sollte man das nutzen, um über das Dritte Reich, von dem wir und unsere Gesellschft sich ja in jedem Moment mindestens zeitlich weiter entfernen, zu informieren. Und ich könnte mir vorstellen, dass man gerade jüngere Leute so nochmal anders ansprechen kann. Das war das Sachliche. Zum Persönlichen: 1. Ich fand den Film gut. Dass Du ihn vielleicht anders fändest, okay. 2. Du hast geschrieben, dass Du ihn nicht gesehen hast. Dafür finde ich Deine Kritik etwas heftig. Oder kennst Du die Herren Eichinger und Co. persönlich, dass Du so urteilen kannst? 3. Ich soll den "Arsch hochkriegen"? Das finde ich von Ton - der ja bekanntlich die Musik macht - dann doch etwas daneben. Wenn Du mich näher kennen würdest, wüsstest Du, dass ich mich schon in der Schule damit näher auseinandergesetzt habe, hier und da auch außerhalb der Schule darüber gelesen habe, auch ernsthafte Dokus im Fernsehen gesehen habe und jetzt im Wahlfach Geschichte studiere, mich daher also sowohl mit dem Thema als auch möglichen und vielleicht fachlich korrekteren Herangehensweisen an solch ein Thema auskenne. Aber mir zu sagen, "dann krieg den Arsch hoch, geh in die Bücherei Deines Vertrauens und les mal wieder" - das geht mir zu weit! Vielleicht noch zu Nazis on Speed: das kenne ich nicht. Aber Anjees Beitrag zeigt ja, dass auch Literatur nicht immer einwandfrei sein muss.
@Flowerian: Deinen Beitrag hab ich irgendwie überlesen. jetzt, wo ich ihn entdeckt habe, kann ich ihm aber nur zustimmen.
ALso, als erstes, sorry wg. dem Arschhochkriegen, wenn Du das so persönlich nimmst, dann war es Dir gegnüber falsch so zu schreiben ich hab halt mal zum einen eine flapsige Ausdrucksweise und zum andern keine gute Meinung von den meisten Menschen in Bezug auf Eigenintiative beim Stillen des Wissendrangs sobald es darüber hinausgeht, an der Kinokass seinen Obolus zu entrichten und ein Fastfoodhäppchen so genannter Geschichte zu konsumieren. Aber nimm Dir mal die Lese-Tips vor, die ich dazu geschrieben habe, falls Du sie noch nicht gelesen hast. Bei mir ist es locker 25 Jahre her, dass ich mich mit der Nazi-Thematik beschäftigt habe, mich haben damals auch so Fragen beschäftigt, wie kann eine Mutter wie Magda Göbbels so drauf kommen, ihre Kinder zu killen. Und da kommt (ACHTUNG! PERSÖNLICHE MEINUNG) für mich das Thema Dope ins Spiel, mit Realitätsverlust und sonstigen Nebenwirkungen. Ich hab das Nazis on Speed selber auch noch nicht gelesen, dass es tendenziös ist, zeigt schon die Auflistung, wer da mitgemacht hat, die wenigen Fakten, die es gibt, weil die es ja damals bestimmt nicht an die grosse Glocke gehängt haben, sind aber schon lange bekannt, hier die Kurzform, ohne erst das Buch lesen zu müssen. In den dreissiger Jahren entwickelten die Temmler-Werke in Berlin das Aufputschmittel Pervitin, auch Methamphetamin genannt. Ab 1938 wurde die Droge zunehmend und systematisch in Armee und Rüstungsindustrie eingesetzt, in den letzten beiden Kriegsjahren geradezu exzessiv. Dieser institutionalisierte Abusus kontrastierte auffällig mit der offiziellen Anti-Drogen-Ideologie der Nazis. Opiat- und Kokainkonsumenten konnten ins KZ gesperrt werden, aber Alkohol und Pervitin wurden zeitweise à discrétion an die Soldaten abgegeben. Es kamen sogar mit Pervitin angereicherte Pralinen auf den Markt, mit dem Hinweis, sie seien im Gegensatz zu Koffein ganz unschädlich. Als es wiederholt zu Zusammenbrüchen bei Konsumenten kam, wurden die süssen «Muntermacher» vom Reichsgesundheitsministerium verboten. Beim Polenfeldzug fand das Pervitin offenbar zum ersten Mal breite Anwendung: Bomberpiloten, U-Boot-Besatzungen, Lazarettpersonal, die Koordinatoren im Führerhauptquartier – sie alle erhielten das Präparat. Doch schon damals gaben Ärzte zu bedenken, dass die Regenerationsphasen der Konsumenten immer länger und die Wirkung der Droge schwächer würde, das führe oft zu einer unmerklichen Erhöhung der Dosis und bei lang dauerndem Konsum möglicherweise zum Kollaps. Der Führung war solcher «Verschleiss von Menschenmaterial» egal. «Überbelastungen und Verluste sind möglich», lautete eine diesbezügliche Weisung des Oberkommandos der Wehrmacht 1944. «Sie können das ärztliche Gewissen nicht belasten, die Lage fordert jeden Einsatz.» Im Konzentrationslager Sachsenhausen wurden Versuche mit einer «Energiepille» durchgeführt, die aus Kokain, Eukodal (einem Morphiumderivat) und Pervitin bestand. Sie sollte die Besatzung des Klein-Unterseeboots «Seehund» befähigen, bis zu vier Tagen nonstop im Einsatz zu bleiben. Die KZ-Insassen mussten unter dem Pilleneinfluss bis zu 90 Kilometer mit vollem Gepäck marschieren. Während des Experiments, das mehrere Tage dauerte, wurden den Gefangenen nur noch zwei bis drei Ruhestunden pro Tag gewährt. Die Kluft zwischen der Hitlerschen Abstinenzler-Propaganda und dem routinemässigen Doping war im Dritten Reich besonders eklatant. Chefideologe Joseph Goebbels war morphiumabhängig. Offenbar durch und durch Hypochonder, litt er an allen möglichen eingebildeten Krankheiten und insbesondere an einer Krebsparanoia. Am 13. April 1943 beispielsweise schrieb er in seinem Tagebuch von einem «furchtbaren Nierenanfall» und «barbarischen Schmerzen»: «Professor Morell gibt mir eine schwere Morphiumspritze, wodurch ich einige Linderung bekomme... Er versenkt mich in eine Art narkotischen Schlaf, nur auf diese Weise ist es mir möglich, mit den Schmerzen fertig zu werden.» Und am 6.Juni 1944: «Auf dem Obersalzberg habe ich eine Menge von Besprechungen, ehe ich mit dem Führer zusammentreffe (...) Professor Morell hilft mir etwas, meinen ein wenig entkräfteten Gesundheitszustand aufzubessern. Er ist auch dem Führer in letzter Zeit gesundheitlich eine grosse Stütze gewesen.» Professor Morell, selber Fixer, war tatsächlich, wie Goebbels notierte, auch dem Führer «eine grosse Stütze». Er versorgte ihn unter anderem mit Unmengen von Pervitin, Kokain, Eukodal, Strychnin, Belladonna, dem Sexualhormon Testoviron, Koffeinpräparaten und den Kreislaufmitteln Cardizo und Coramin. Hitler war schwer Amphetaminsüchtig (damals Pervitin; heute Speed), bekam gegen Darmprobleme regelmäßig kleine schwarze Pillen (Wirkstoffe: Atropin und Strychnin) und lies sich seine entzündeten Schleimhäute mit Kokain pinseln.Weiterhin wurde er vor seinen 'großen Reden' immer 'fitgespritzt' und das Atropin (Tollkirsche) sorgte dafür, dass Hitler seine berühmten, stechenden Augen bekam. Im Führerhauptquartier war angeblich einer der häufigsten Ausrufe des Polytoximanen Hitler, dem erklärten Abstinenzler, Antiraucher und Vegetarier: «Wo bleibt denn wieder der Morell mit seiner Spritze?» Professor Morell «behandelte» auch den Reichsmarschall und Junkie Hermann Göring mit seinen Injektionen. Schon während des Ersten Weltkriegs hatte sich Göring als Jagdflieger jeweils mit Kokain in Fahrt gebracht. Mit dem Morphium war er 1923 bekannt geworden, als er während des Putschversuchs zusammen mit Hitler verletzt wurde. Man behandelte ihn mit Morphium, und er wurde rasch süchtig. 1925 lieferte man ihn in eine schwedische Nervenheilanstalt ein, wo er mehrere Selbstmordversuche unternahm, schliesslich «clean» entlassen, aber bald wieder rückfällig wurde. Als er bei Kriegsende von den Amerikanern gefangen genommen wurde, hatte er zwei dicke Koffer mit 20000 Ampullen Morphium dabei. Aber sie wurden ihm abgenommen, er machte einen Zwangsentzug und sein völlig verändertes Aussehen beim Nürnberger Prozess war eine Folge der unfreiwilligen Entziehungskur. Kommt der Prof. Morell, in der Führungsetage als "Reichsspritzenmeister" betitelt, im Film überhaupt vor oder fand sein Rausschmiss aus dem Bunker schon vor den besagten 12 Tagen statt? Die Deutschen waren übrigens kein Sonderfall, was Aufputschmittel betrifft. Die Japaner hatten während des Zweiten Weltkriegs ihr Amphetamin, die Amerikaner und Engländer ihr Benzedrin. Hier noch was von Wolfgang Neuss: „ Wir Deutsches Volk - wie wir das nennen - wie wir in den zwanziger Jahren hingerissen waren von den Häuptlingen des Ersten Weltkrieges, die jetzt Drogen nahmen, Kokain und Opium, löffelweise, umgeben von Kokain-Jüngern! Sozusagen angemacht von denen. Hitler, angemacht von Dr. Morell (Pervitin = Speed), Goebbels, täglich zweimal Heroin - oder keine Rede! Die UFA blühte nur durch Koks, wo der Mann von der Mutter da war. Göring, dezenter Opium-Raucher. Ich weiß noch, dass Baldur von Schirach gefixt hat, sogar unser einst verjagter Kaiser Wilhelm hat sage und schreibe in Holland Haschisch geraucht.“ WIe gesagt, ich warte, bis er im Fernsehen kommt, ist mir das Kinogeld nicht wert. Nee, den Eichinger kenn ich nicht, aber dass es in erster Linie um Kohle machen geht, ist ja wohl nicht zu übersehen. Schau mal, ob Du noch die Süddeutsche vom Montag herkriegst, da ist ein Interviiew mit dem Geschäftsführer von der Constantin drin, ist leider nicht kostenlos online zu finden. Da steht drin, dass die Constantin letztes Jahr erst mal heftig in die Miesen geraten war (was im realen Kapitalismus hohe Anfälligigkeit für eine Übernahme bedeutet, die ja dann durch die schweizer Highlight Communications AG prompt erfolgte, btw., weiss jemand, wo jetzt wohl die Steuern gezahlt werden, hier in Germany oder im Steuerparadies Schweiz?), während sie dieses Jahr dank Bully und Eichinger vermutlich besser dastehen. Hier die trockenen Fakten: Highlight-Gruppe erwartet für das Geschäftsjahr 2004 Umsatz- und Ergebnissprung Die im SDAX gelistete Highlight Communications (Nachrichten) (WKN 920 299) mit den Geschäftsbereichen Sport- und Eventmarketing, Film und Home Entertainmentbleibt im Geschäftsjahr 2004 weiterhin auf Erfolgskurs. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche Sport- und Eventmarketing und Home Entertainment sowie der heute ebenfalls Ad-hoc veröffentlichten Zahlen der Constantin Film AG, die mit 57,98 % Anteilsbesitz seit 1. Juli 2003 zum Konsolidierungskreis der Highlight Communications AG zählt, wird für das Gesamtjahr 2004 der Highlight-Gruppe aus derzeitiger Sicht ein Konzernumsatzvon 460 - 480 Mio. CHF bzw. (Plan 2004: 400 - 420 Mio. CHF; IST 2003: 282 Mio. CHF) und ein Anstieg des Ergebnis pro Aktie auf 0,22 - 0,24 Euro (Plan2004: 0,20 Euro, IST 2003: 0,14 Euro) erwartet. Die Q3 Zahlen der Highlight Communications AG werden am Donnerstag, den 18.11.2204, veröffentlicht. Ende der Ad-hoc-Mitteilung (c)DGAP 11.11.2004 QUELLE Ich danke für Eure Aufmerksamkeit, das nächste Geschichtshäppchen wird übrigens Alexander der Grosse sein, die Rechte hat die Constantin schon in der Tasche, Eichinger ist auch wieder am Drehbuch beteiligt, Drehbeginn soll im Frühjahr sein. Könnt ihr Euch ja jetzt schon mal ganz ganz lange darauf freuen. Euer Märchenonkel
Na dann - Schwamm drüber, wie man so schön sagt. Um kurz noch auf die Sache zurück zu kommen: Die Sache mit dem Dope - und auch der Prof. dazu - kam bei "Der Untergang" nicht vor, wohl aber ähnliche Bemerkungen, dass "zivile Opfer" für den "Endsieg" unbedeutend wären usw. Was den Eichinger betrifft - naja, er ist ja Unternehmer. Und den Trend zu teilweise eher pseudo-historischem Infotainment will ich ja auch gar nicht wegreden. Aber ich glaube, dass "Der Untergang" schon mit dem nötigen Ernst gemacht wurde. Dafür ist das Thema in deutschen Händen einfach zu sensibel.