So, jetzt hab ich euch lang genug schmoren lassen, die Diskussion fand ich sehr interessant! Also, abgesehen davon, dass Jürgen ja gleich die Frage durch das "Großvaterparadox" (hieß es so?) untermauert hat: also wenn wir Hitler in der Vergangenheit umgebracht hätten, wüssten wir es in der Gegenwart. Aber, nehmen wir mal an, es würde doch gehen, da hat mir mein Diskussionspartner auf der Feier folgende Theorie geliefert: Jedes Eingreifen in der Vergangenheit wäre mit extremen Risiken verbunden, weil man nicht weiß, was dann passieren könnte. Zwar könnte alles gut laufen, andereseits könnten wir aber zufällig auch die Vernichtung der Welt auslösen. Z.B. behauptete der junge Mann, dass aufgrund der weltwirtschaftlichen Lage sicher in der nächsten Zeit ein Krieg ausgebrochen wäre, wie sich das im Laufe der Menschheitsgeschichte schon ein paar mal so gezeigt hat. Hätte es den zweiten Weltkrieg nicht gegeben, hätten die Amerikaner die noch nicht sehr gut ausgereifte Atombombe nicht ausprobieren können. Sie hätten diese dann vielleicht in weit ausgereifterem Zustand z.B. während der Kubakrise o.ä. ausprobiert (was wiederum einen Weltkrieg ....) ... was vielleicht zu einer Vernichtung der Menschheit geführt hätte usw. Dies ist (möchte ich nochmal ausdrücklich sagen) nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich weiß nicht, was ich tun würde. Die Angst etwas Schlimmeres auszulösen wäre groß, aber der Wunsch Millionen Menschenleben zu retten noch mehr.
Es geht doch hier um die Annahme, dass ohne Hitler die Nazuherrschaft und WKII ausgefallen wären. Frag den jungen Mann doch mal, was für einen Grund dann Einstein, Oppenheimer und die anderen Väter der Atombombe gehabt hätten, zu emigrieren und für die Amerikaner im Manhattan-Projekt die A-Bombe zu bauen? Zumal Lisa Meitner, die auch emigrieren musste, zusammen mit Oto Hahn schon längst an der Kernspaltung forschte. Die Crux war doch die, dass die Amis damals nicht wussten, wie weit die Deutschen schon sind, was Einstein bewog, einen Warnbrief an Roosevelt zu schreiben, der daraufhin das Manhattan-Projekt unter Leitung der ganzen emigrierten deutschen Koryphäen in Leben rief. Und das wirkliche Leben ist mal wieder viel spannender, als irgendwelche Spekulationen. Die Amis haben den Vormarsch nach Deutschland nach der Landung in der Normandie u.a. deshalb so forciert, weil sie nicht wussten, ob die Nazis im letzten Moment nicht doch die oft erwähnte Wunderwaffe hervorzaubern. Unter dem Schloss Sigmaringen kann man heute die Gewölbe besichtigen, wo die deutsche Kernwaffenforschung statt fand, die sich aber zum Glück selber ins Knie geschossen hatte, als sie aus ideologischen Gründen alles, was nicht arisch war, verjagte. SIe hatten dort zwar einen Forschungsreaktor, waren aber zum Glück seit der Kernspaltung durch Hahn/Meitner noch nicht viel weitergekommen. Wer aber weiterhin auf Spekulationen steht, kann ja mal googeln, wohin das schwere Wasser, dass die Naziforscher in SIgmaringen gebunkert hatten verschwunden ist und was es mit Neuschwabenland auf sich hat. Ich habe keinen Bock auf den Nazischeiss, deshalb bleibt diese Posting mal ausnahmsweise recht kurz.
Naja - aber letztlich ist es ja doch alles nur Spekulation. Vielleicht wär´s ja mal echt ganz sinnig, wenn wir aus dem Reich der Vergangenheit und Pseudo-Gegenwart wieder ins Heute zurückkommen. Da gibt´s auch genug, was man tun könnte - ohne dass man gleich jemand erschießen muss!